Immer weniger Teilzeitgenehmigungen für Lehrkräfte in Sachsen-Anhalt

Mitteldeutsche Zeitung vom 23.04.2014
MAGDEBURG/MZ.

Sachsen-Anhalts Kultusministerium tritt auf die Teilzeit-Bremse: Um die problematische Unterrichtsversorgung nicht weiter zu gefährden, werden immer öfter Anträge von Lehrern auf eine Teilzeit-Beschäftigung abgelehnt. Dies trifft inzwischen nicht nur Lehrer in klassischen Mangelfächern wie Fremdsprachen.

So waren für das aktuelle Schuljahr 1 682 Anträge auf Teilzeit gestellt worden, von denen 130 abgelehnt wurden – also gut sieben Prozent. Für das nächste Schuljahr liegen laut Kultusministeriums zum einen deutlich weniger, nämlich nur 1 153 Anträge vor. Zum anderen wurden von diesen bislang erst 448 geprüft, aber bereits 120 abgelehnt. Das sind schon jetzt zehn Prozent aller gestellten, aber mehr als ein Viertel der bearbeiteten Anträge. Die Bearbeitung aller gestellten Teilzeit-Begehren soll bis Mai dauern. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass die Ablehnungsquote hoch bleibt.

Das Kultusministerium bestätigte auf MZ-Nachfrage, dass das Landesschulamt deutlich mehr Anträge auf Teilzeit ablehne. In der Vergangenheit habe es einen „Lehrerüberhang“ gegeben, so dass es leicht gefallen sei, Teilzeit-Anträge zu genehmigen, sagte Ministeriumssprecher Martin Hanusch. Dies sei nicht mehr ohne weiteres möglich.

Situation hat sich geändert

Die Situation hat sich geändert, seit mehreren Jahren spitzt sich der Lehrermangel zu. „Ob Teilzeitanträge genehmigt werden können, hängt in erster Linie von der Unterrichtsversorgung in der jeweiligen Schule ab“, sagte Hanusch. Dass dadurch nicht mehr alle Wünsche auf Teilzeit genehmigt werden können, mag für die betroffenen Lehrer bedauerlich sein, „unser Augenmerk muss in erster Linie den Schülern gelten, die einen Anspruch und ein Anrecht auf die Absicherung des Fachunterrichtes haben“.

Nach Ansicht von Thomas Lippmann, Chef der Bildungsgewerkschaft GEW, macht es sich das Kultusministerium zu einfach. Mit der steigenden Zahl von Ablehnungen versuche das Ministerium, „das Dogma mangelnder Neueinstellungen zu kompensieren“. Natürlich müssten für Lehrer in Teilzeit Neueinstellungen vorgenommen werden, doch das werde wegen des zu geringen Neueinstellungskorridors verhindert. Im nächsten Schuljahr sind es 370 neue Stellen, laut GEW würden aber mindestens 600 jährlich gebraucht.

Die Ablehnung der Teilzeit-Anträge hat laut Lippmann viele Konsequenzen. „Die Demotivation der Lehrer wird ebenso steigen wie die Zahl der Krankmeldungen, in der Folge wird erst recht die Unterrichtsversorgung und die Qualität des Unterrichts leiden.“ Denn wer einen Antrag auf Teilzeit stelle, mache das ja nicht, weil er keine Lust mehr hat, in die Schule zu gehen. „Dafür gibt es triftige Gründe“, so der GEW-Chef.

Endlich wieder Arbeitsmediziner

und Arbeitssicherheitsfachkräfte für die Schulen in Sachsen-Anhalt. Vorerst gibt noch keine Konzepte aber immerhin Ansprechpartner auf dem Bildungsserver für die dringendsten Probleme.
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Die GEW kann man natürlich auch fragen. Sie steht für gute Schule.

Auch in Thüringen: “Zeit für gute Schule”

Auch der Landesverband Thüringen hat nun eine Kampagne “Zeit für gute Schule” gestartet. Unter Verwendung der uns bekannten Zeitwertkarten wollen die Kolleginnen und Kollegen die tatsächliche Arbeitsbelastung erfassen, um dann in Gesprächen mit dem zuständigen Ministerium für mehr Arbeitszeitgerechtigkeit zu streiten.

thüringen-zfgs

Wir wünschen der GEW Thüringen viel Erfolg und werden die Ergebnisse hier auch veröffentlichen.

Arbeitszeit wird nicht erhöht

ArbeitszeiterhöhungDanke an alle Kolleginnen und Kollegen, die mit uns gemeinsam die Kampagne „Zeit für gute Schule“ organisiert haben. An alle, die erst einmal Arbeitszeit investiert haben, um Zeitwertkarten auszufüllen, um Landtagsabgeordneten zum Tag des offenen Lehrerzimmers zu zeigen, was Lehrkräfte tagtäglich leisten, um sich am Kreativwettbewerb zu beteiligen, um die Arbeitszeitresolution an Minister Bullerjahn zu schicken.  

Seit heute Mittag ist es offiziell: Die Landesregierung hat dem Teilzeittarifvertrag nicht widersprochen. Damit werden unsere Pflichtstunden nicht erhöht, sondern bleiben bis 2016 auf dem jetzigen Niveau.

Die GEW konnte die Arbeitszeit für Lehrkräfte in Sachsen-Anhalt übrigens seit 1997 tarifvertraglich festschreiben. Das ist ein Erfolg, unser Erfolg.  

Tarifpolitischer Weihnachtsmarkt

Die Pädagogischen Mitarbeiterinnen kämpfen um ihre Berufsgruppe, nicht nur für sich, man stelle sich Schule ohne PM vor… Kein Konzept, keine Neueinstellungen, kein Anschlusstarifvertrag, als ob es gar keine PMs geben würde. Aus diesem Grund hat die GEW am 12. Dezember vor dem Landtag einen “Tarifpolitischen Weihnachtsmarkt” organisiert, um auf diese Missstände hinzuweisen und gleichzeitig auf die Forderungen der GEW hinzuweisen. Ein voller Erfolg.

 

Weniger ist mehr

brandenburgStatt die tariflich vereinbarten Erhöhungen bei den Entgelten umzusetzen, ist die Landesregierung von Brandenburg einen neuen Weg gegangen. Die Pflichtstundenzahl für Grund- und Oberschullehrer wird um eine Stunde pro Woche gekürzt. Auch für andere Kollegen des öffentlichen Dienstes gibt es kreative Szenarien, die Arbeitszeit schrittweise reduzieren zu können. Die GEW spricht von einem Durchbruch, ja sogar von einem Meilenstein in der Fachkräftesicherung. Den kompletten Artikel kannst du hier (22.06.2013_ Besserung im Bildungswesen) nachlesen. Und darüber im Kollegenkreis erzählen…